Wem gehört die Zukunft? – Warum die «Mini Maker Faire» die bessere Design Biennale gewesen ist.

«Hello Future» – das Thema und die gestellten Fragen scheinen wegweisend. Auch das selbst gesteckte Ziel der Kurierenden eine «aktive und kritische Beteiligung der Besuchenden» zu erreichen liess auf die Gelegenheit hoffen, Design jenseits der Community Design-schaffender zu diskutieren. Ob und wie sehr dies gelungen ist bleibt nun zu fragen nach der ersten Durchführung der «Design Biennale Zürich».
 
Nebst der Preview schürte insbesondere die als inhaltlichen Auftakt positionierte Konferenz die Hoffnung auf den offenen Diskurs. Ob es die Bezeichnung «Konferenz», das zusätzlich zu ordernde Ticket oder die «Hochburg der Hochschulen» gewesen ist, welche das Publikum auf Studierende, Dozierende, Gelehrte und Praktizierende des Designs einkochte, bleibt unklar – gewiss ist, dass sich der Diskurs nebst dem ohr- und horizontöffnenden Einstiegsvortrag Alan Shapiros vor allem auf die Meinung der zahlreich vertretenen ZHdK Rednerinnen und Redner beschränkte und die «aktive Beteiligung der Besuchenden» im Konsumieren von Sponsorenwasser und dem Test einer Virtual Reality Brille bestand.
 
Hier versprach der Rundgang durch die sechs Standorte, welcher auf Wunsch auch von Expertinnen und Experten begleitet stattfinden konnte, schon mehr. Jene, die das Wetter nicht scheuten, konnten sich auf kalkulierte 1h und 25min Wegmarsch und die Suche nach Antworten begeben, um an verschiedenen Standorten die im Programm der Biennale formulierten Fragestellungen zu erkunden, welche zwischen Historie und der «Archäologie der Zukunft» oszillierten. «Zum Sinnieren» soll dies anregen und «macht bestimmt auch jüngeren Besuchern Spass» – so zumindest liest man gemäss Susanne Koeberle auf Swiss Architects. Nur waren ebendiese nur vereinzelt sichtbar. Zugegeben, der am Samstag herrschende Dauerregen mag das «Familienerlebnis Biennale» sicher nicht positiv beeinflusst haben, doch die Meisten, welche andächtig vor den perfekt geschnittenen Präsentationsvideos sassen oder ihre von Hornbrillen gezierten Nasen in die ausformulierten Beschriebe der Exponate steckten, schienen allen voran selbst der Kaste der Gestaltenden anzugehören und liessen – wenn nicht in sinnierende Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen vertieft – vom erwarteten aktiven Austausch der Besuchenden noch wenig spüren. «Wie beim Klassentreffen» – so beschreibt eine der zahlreichen Guides ihr Erlebnis bei der Design Biennale.
 
Am selben verregneten Samstagnachmittag, nur wenige Gehminuten vom einer der Biennale Stationen entfernt, im «Dynamo» ein weiterer Schauplatz, der Ähnliches verspricht: «das Selbermachen, Entdecken und Weitergeben» stehen bei der «Zürich Mini Maker Faire» auf dem Programm. Auch hier stehen Zukunftsthemen, wie Digitale Fabrikation, Materialinnovation oder Robotik im Mittelpunkt der Veranstaltung. Doch werden im Vergleich zur Biennale zu einem Fünftel des Eintrittspreises weniger Fragen gestellt, als vielmehr Vorschläge präsentiert, wie diese Zukunft aussehen könnte. Ob autonome WLAN Netzwerke, Lehm-schiessende Roboter oder von Algorithmen gesteuerte Artefakte – was sie gemeinsam haben, ist ein Diskurs fernab von Ästhetik, fernab von durchformulierten Stellungnahmen oder aufs Feinste abgestimmten Filmausschnitten. Und wie dankbar ist man, wenn man die teilweise in «Do it Yourself Manier» daherkommenden Artefakte auch als Laien und auch ohne Hornbrille in die Hand nehmen, ausprobieren und mit den «Makern» dieser Werke ein paar Worte wechseln kann.
 
Allen voran ist ein Aspekt der Zukunft schon von Weitem her vernehmbar, wenn man sich auf dem «Biennale Rundgang» auch auf die «Mini Maker Faire» verirrte – das Lachen und Geschrei derjenigen, die tatsächlich unsere Zukunft in den Händen halten werden: die unzähligen Kinder, die an den Exponaten hantierend, bei Workshops selbst kreierend oder einfach nur lauthals durch die Halle rufend Anteil nahmen am «Machen» und Gestalten. Doch nicht nur sie, sondern auch die interessierten Elternteile oder das Fachpublikum kamen bei den zahlreichen (und unter anderem kostenfreien) Talks auf ihre Kosten. Insgesamt ein Bild, dass tatsächlich sagen lässt: «Hello Future!»
 
Die «bessere Biennale!» rutscht es einem gleich im nächsten Satz heraus. Obwohl man als Gestalter und gar Lehrender diese Kaste die sechs temporären «Festungen» am vergangenen Wochenende aufs Äusserste verteidigen sollte. Durchaus, all sie haben ihre Berechtigung und gut ist es, dass sie sich als Ergebnis einer dreijährigen Vorbereitung in einer ersten Edition der Biennale manifestiert haben. Doch noch schöner ist es zu sehen, wenn es jemand besser macht und den Diskurs tatsächlich öffnet. Jede und Jeden willkommen heisst und nicht durch gestandene Eintrittspreise oder hinter verschlossenen Konzertsaaltüren Abstand halten lässt – Abstand zu jenen, die sich derzeit noch Designerinnen und Designer nennen und immer noch gerne einmal unter sich sind.  
 
Wer sonst sollte denn die vielen Fragen verstehen und gar Antworten darauf finden? Wir sind es doch schliesslich – die Gestaltenden – welche dank «Design Thinking» die Zukunft retten?! Nach dem Intermezzo im «Mini Maker Dynamo» fühle ich mich dieses Trugschlusses beraubt: Habe ich am vergangenen Wochenende doch mehr Vertrauen in Lisa und Max geschöpft, die bereits 7-jährig an Elektroschaltkreisen tüfteln, als in die Referate, die im Konzertsaal dreissigjährige Zitate proklamieren oder Exponate, die im Keller jetzt schon «Erinnerungen» aus der Zukunft archivieren. Ein jeder und jede möge sich seine eigene Meinung gebildet haben in den vergangenen Tagen. Was bleibt, ist jedoch die Frage nach der nächsten Design Biennale: dass es sie geben sollte,ist keine Frage — wie ihre Zukunft aussieht die spannendere!